Titel: Eva
Autorin: Verena Keßler

Sina ist Journalistin. Sie interviewt Eva, die Lehrerin, die der Meinung ist, dass man am besten gar keine Kinder mehr in die Welt setzen sollte – wegen des Klimawandels und der fehlenden Ressourcen. 
Es wäre doch viel besser, wenn man den Menschen, die bereits auf der Welt sind, ein gutes Leben ermöglicht!
Zum Interview kommt Eva mit einem Hund.  Das wäre Sina gar nicht mal groß aufgefallen, hätte sich ihr Partner Milo, der sich von ihr Kinder wünscht, nicht so sehr drüber aufgeregt. Einen Hund haben, aber sich über das Kinderkriegen beschweren? Das findet Milo krank. Und da Sina noch einen guten Einstieg ins Interview braucht, schreibt sie eben über Evas Hund … und löst damit eine Katastrophe aus.

Vier Erzählungen von vier Frauen sind es, die im Roman EVA für sich stehen, inhaltlich aber ineinander laufen.
Zuerst lernen wir Sina kennen, die Journalistin, die mit Milo zusammen ist. Verena Kessler beschreibt das romantische Kennenlernen der beiden, (das zweite Date findet übrigens gleich mal im Krankenhaus statt, warum verrate ich an dieser Stelle nicht). Sina hat in Milo den Partner des Lebens gefunden, so fühlt es sich zumindest an. Doch der Kinderwunsch von Milo, den Sina ihm nicht erfüllen kann, wird letztendlich zum Aus der Beziehung führen

Eva Lohaus, die titelgebende Heldin, hält nicht viel vom Kinderkriegen. Und auch der Hund, den sie zum Interview mitnimmt, ist nicht ihrer. Eva hat ihn bzw. sie (es ist nämlich eine Hündin) von ihrem besten Freund und Langzeitgeliebten geerbt. Der hat jetzt nämlich ein Kind, und da passt ein Tier eben nicht mehr ins Konzept. Zu dem Zeitpunkt, als wir Eva näher kennenlernen, lebt die Hündin dann nicht mehr. Sie wurde vergiftet – eine der verheerenden Folgen, die der Artikels von Sina ausgelöst hat. 
Eva zieht sich aufs Land zurück und beginnt ein Haus zu renovieren. Hilfe bekommt sie dabei von der Nachbarstochter, die bald jeden Nachmittag bei Eva verbringt und der Lehrerin sehr ans Herz wächst. Denn es ist nicht so, dass Eva keine Kinder mag und nicht bereit wäre, Verantwortung zu übernehmen. 

In der dritten Erzählung lernen wir Sinas Schwester Mona kennen. Im Gegensatz zu Sina, die nicht schwanger werden konnte, hat es bei Mona ganz schnell geklappt, und das gleich zwei Mal. Glücklich ist Mona als Mutter jedoch nicht. Als Sina sich von Milo trennt, fahren die beiden Schwestern gemeinsam auf Urlaub. Mona tarnt den Urlaub als Hilfe für ihre kleine Schwester, in Wirklichkeit aber möchte sie einmal wieder für sich sein. Allein auf der Luftmatratze schaukeln ohne dass sich jemand an sie hängt und ihren Körper für sich vereinnahmt … 
An dieser Stelle könnte es jetzt kitschig werden. Man stelle sich vor:  Sina käme wieder mit Milo zusammen, und statt eigene Kinder zu bekommen, könnten die beiden ja Mona entlasten und zu idealen Teilzeiteltern werden. (Eva würde das bestimmt gutgeheißen: Kümmert euch gefälligst um die Kinder, die da sind statt eigene zu bekommen!) 
Verena Keßler wählt jedoch einen realistischen, weniger kitschigen Ausgang, indem sie uns eine vierte Protagonistin vorstellt. Es ist die ehemalige Sekretärin jener Schule, in der Eva gearbeitet hat. Und wie sich herausstellt, ist sie es, die Schuld am Tod des Hundes hat. Warum, das müsst ihr aber selbst herausfinden. Eines aber ist sicher: Am Ende werdet ihr dieses Buch zuklappen und sehr viel nachdenken. Über Sina, Eva und Mona — und über da Schicksal jener Frau, die wieder einen ganz anderen Blick auf das Muttersein wirft.
Bei mir persönlich hat das Buch ganz lange nachgewirkt. Es ist kein Wohlfühlroman, den man verschlingt und dann schnell zur Seite legt, sondern ein Roman, der tatsächlich lange im Kopf bleibt. Verena Keßler schafft es nämlich, uns Leser*innen ganz schnell in die Geschichte hineinzuziehen, unsere sentimentalen Erwartungshaltungen jedoch nicht zu erfüllen. Gerade das fand ich so großartig an diesem Roman. 

Autorin: Verena Keßler
Titel: Eva
Verlag: Hanser Berlin
Publikationsjahr: 2023
Seiten: 208
ISBN: 978–3‑446–27588‑1
Eine Hörprobe aus dem Hörbuch (Der Audio Verlag) gibt es am 15.8. um ca. 18.45 in unserer Radiosendung auf Radio Helsinki