Titel: Blue Skies
Autor: T.C. Boyle

Ein Roman, der mich von der ersten bis zur letzen Seite absolut gefesselt hat!
Anders als sein Klimaroman “Ein Freund der Erde” (der ja nun auch schon in die Jahre gekommen ist), spielt T.C. Boyles “Blue Skies” nun nicht mehr in der fernen Zukunft, sondern in der sehr nahen.
T. C Boyle bettet die Klimakatastrophe, die wir bereits heute erleben, in eine Familiengeschichte ein. Die Handlung wird zu einem Drittel aus der Sicht der in Kalifornien lebenden Mutter Ottilie geschildert, die sich von ihrem Sohn Cooper dazu hat überreden lassen, sich eine Grillenfarm zuzulegen und umweltschonend zu kochen. Wie sich herausstellt, ist es aber gar nicht so einfach, die eigene Fleischfarm gesund zu halten. Cooper wiederum, der sich als Insektenforscher auf den Mönchsfalter spezialisiert hat, hilft seiner Studienkollegin und Lebensgefährtin beim Einsammeln von Zecken – mit weitreichenden Konsequenzen, denn das Tier, das sich in seiner Haut verbeißt, führt letztendlich dazu, dass sein linker Unterarm amputiert werden muss.
Ottilies Tochter Cat wiederum lebt jetzt in Florida und hat sich einen Tigerpython angeschafft. Cat will Influenzieren werden, was ihr nicht nur dank Python und Babybauch gelingt, sondern vor allem, weil sie sich – auf dem Weg zur Entbindung – durch einen Hurrikan kämpfen muss. Später wird Cat nochmals in die Medien geraten – diesmal als Python Mum, nach dem tragischen Tod eines ihrer Zwillingsmädchen …

Dürre und Waldbrände in Kalifornien, Überschwemmungen in Florida und Artensterben. Das alles gibt es schon. Wetterextreme werden immer mehr zur neuen Normalität, und auch der Landverlust ist bereits in Europa angekommen, man muss nur nach Holland blicken. Das massive Insektensterben, wie T.C. Boyle es beschreibt, ist zwar (noch) Erfindung, aber man denke nur an das Phänomen des Colony collapse disorder, das seit Mitte der Nullerjahre vielen Imker:innen zu schaffen macht.

Was das Wunderbare an dem Roman ist: Boyle schreibt so spannend, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann — was einerseits an den Protagonist:innen liegt, denen man einfach gern folgt, aber eben auch an dem Setting. Zwar kommen recht viele Katastrophen zusammen, aber anders als bei anderen Romanen, wo ich mir manchmal denke: come on, das ist jetzt wirklich schon zu viel des Guten, stört es mich in dem vorliegenden Roman überhaupt nicht. Was daran liegt, dass Boyle ein Meister der Erzählkunst ist und all die Klimawandel-Themen (von Wetterextremen über das Insektensterben bis hin zu der Frage, wie weit wir auch durch die Wahl unserer “Haustiere” in die Natur eingreifen) wirklich fantastisch in eine Handlung einbettet, die immer mehr an Tempo aufnimmt. Sehr reizvoll ist vor allem, dass das Geschehen aus drei Blickwinkeln beleuchtet wird, was die Dynamik nochmals erhöht. Und ja, die Spannung entsteht durchaus auch aus der Tatsache, dass der Roman aufzeigt, wie weit voran der Klimawandel bereits geschritten ist. Das sind die Stellen, an denen ich den Roman kurz zur Seite legen muss … und Angst bekomme. 

Fazit: Blue Skies ist ein großartiger Lesespaß – und gleichzeitig ein wahnsinnig erschreckender, da beim Lesen klar wird: Wir sind schon lägst mitten drin. 

Titel: Blue Skies
Autorin: T. C. Boyle
Übersetzung aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren
Verlag: Zsolnay
Erscheinungsjahr: 2023
Seiten: 400
ISBN: 978–3‑446–27689‑5
zur Verlagsseite mit Leseprobe

Leave a Comment

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert